DIETMAR SCHNEIDER
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2018 Das Klavier in Der Volme Bilder Dietmar Schneider

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Beschreibung

Das Klavier in der Volme In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938, während der sogenannten Reichspogromnacht, wurde in Hagen das Klavier des Metzgermeisters Simson Kohn von SA- und NS-Schergen aus seinem Haus gerissen und in die Volme geworfen. Möbel und Inventar folgten. Die Familie wurde misshandelt. Das Klavier steht sinnbildlich für die Zerstörung von Leben, Würde und kultureller Identität. Was in dieser Nacht geschah, war kein abstraktes historisches Ereignis, sondern konkrete Gewalt gegen Nachbarn, Mitbürgerinnen und Mitbürger – mitten in unserer Stadt. Achtzig Jahre später entstand aus dieser Geschichte eine Frage: Wie erinnern wir heute? Und wen erreichen wir mit unserer Form des Gedenkens? Die Ausstellung »Das Klavier in der Volme« versteht sich als bewusster Impuls für eine neue Erinnerungskultur. Statt ritualisierter Schweigemärsche, die oft nur einen kleinen, ohnehin engagierten Kreis erreichen, wurde ein offenes, vielstimmiges und partizipatives Format entwickelt – ein Erinnern, das sichtbar, begehbar und dialogisch ist. Über einen Zeitraum von zweieinhalb Monaten entstanden mehr als vierzig Projekte im Stadtraum. Zwölf Überseecontainer wurden zu temporären Erzählräumen. An historischen Orten platziert, machten sie verdrängte Geschichten wieder zugänglich. Zeitzeuginnen und Zeitzeugen kamen zu Wort – unter ihnen Frau Teichmann, die im hohen Alter von 89 Jahren über ihre Erfahrungen von Entrechtung, Zwangsarbeit und Demütigung berichtete. Ihre Erzählungen machten deutlich, wie systematische Unterdrückung den Alltag bestimmte – auch hier vor Ort. Eine weitere Installation führte zurück in die Volme: Mit einem gelben Netz überzogene Steine im Fluss erinnerten an jene Steine, die einst vor Grabplatten gerollt wurden – ein starkes Bild für Verschluss, Verdrängung und das gewaltsame Beenden von Leben und Erinnerung. Künstlerinnen und Künstler aus Deutschland und Polen arbeiteten gemeinsam an Beiträgen, die Vergangenheit und Gegenwart miteinander verknüpften. Schulen – Grundschulen wie weiterführende Schulen – wurden aktiv eingebunden. Junge Menschen setzten sich kreativ und kritisch mit der Geschichte ihrer Stadt auseinander. Erinnerung wurde nicht verordnet, sondern erarbeitet. Initiiert und kuratiert von Dietmar Schneider in enger Zusammenarbeit mit der Jüdischen Gemeinde Hagen und ihrer Vorsitzenden Helga Feldheim, entstand ein lebendiger Erinnerungsraum, der über den Projektzeitraum hinaus Wirkung zeigt. »Das Klavier in der Volme« steht für eine Erinnerungskultur, die nicht nur zurückblickt, sondern Verantwortung in der Gegenwart übernimmt. Denn Erinnerung darf nicht im Ritual erstarren. Sie muss berühren, irritieren und verbinden – damit Geschichte nicht erneut im Fluss verschwinden