DIETMAR SCHNEIDER
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OPEartion 2018 Dietmar Schneider Patientenzimmer 088 Pum.. the Trump Marienhospital

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Beschreibung

Kurationstext – Zwischen Diagnose und Utopie Ein leerstehendes Krankenhaus wird zum Resonanzraum. Wo einst operiert, gepflegt, gehofft und getrauert wurde, entfaltet sich eine Ausstellung mit 40 Künstlerinnen und Künstlern, die die Architektur nicht als neutrale Hülle begreifen, sondern als aktiven Körper – als Speicher von Erinnerung, Angst, Heilung und Macht. Jeder Raum trägt seine Geschichte in sich; jede künstlerische Intervention reagiert auf diese eingeschriebene Vergangenheit. Im Operationssaal zeigt Dietmar Schneider eine Werkgruppe, die den Ort nicht verlässt, sondern ihn intensiviert. Durchscheinende Hartplastikfolien hängen frei im Raum – fragile Bildträger, die an medizinische Abdeckungen, Schutzschichten oder Haut erinnern. Sie bewegen sich leicht im Luftzug und erzeugen eine Zwischenwelt aus Transparenz und Barriere. Malerei wird hier nicht zur geschlossenen Oberfläche, sondern zu einer Membran zwischen Innen und Außen, zwischen Sichtbarkeit und Verdrängung. Im Zentrum des Raumes steht ein Bett in einem grellen Lila-Rosa – eine Farbe, die dem klinischen Weiß widerspricht, die Vitalität behauptet und zugleich künstlich wirkt. Über dem Bett die originalen Operationsleuchten. An ihnen befestigt: zwanzig Luftschläuche mit Atemgeräten. Aus diesen Apparaturen erklingen Töne – rhythmische, stockende, pulsierende Klangfragmente. Es sind Geräusche, wie sie in einem Operationsraum entstehen: Überlebenstöne, Sterbetöne, Zukunftstöne. Technische Klänge werden zu akustischen Zeugnissen existenzieller Zustände. Der Raum beginnt zu atmen. Die politischen Bildarbeiten, die Schneider hier versammelt, verschränken individuelle Verletzlichkeit mit gesellschaftlicher Diagnose. Der Operationssaal wird zum Sinnbild einer Gesellschaft im permanenten Eingriff: Wer entscheidet über Heilung? Wer definiert Krankheit? Welche Systeme halten uns am Leben – und welche halten uns gefangen? Auch die übrigen 39 künstlerischen Positionen greifen die spezifischen Orte des Krankenhauses auf: Patientenzimmer, Flure, Funktionsräume, Nebenräume. Die Arbeiten verhandeln Körper und Kontrolle, Fürsorge und Macht, Trauma und Transformation. Das verlassene Gebäude wird zur Metapher für Übergangszustände – zwischen Funktion und Stillstand, zwischen Vergangenheit und Möglichkeit. Diese Ausstellung versteht das Krankenhaus nicht als Ruine, sondern als offenen Organismus. Kunst übernimmt hier keine therapeutische Rolle im klassischen Sinn; sie diagnostiziert, irritiert, konfrontiert. Sie macht hörbar, was sonst übertönt wird. Sie macht sichtbar, was im Verborgenen operiert. Wo einst Leben gerettet oder verloren wurde, entsteht nun ein Raum für kollektive Reflexion. Zwischen Atemgeräusch und Stille, zwischen Lichtkegel und Schatten, zwischen politischer Dringlichkeit und poetischer Verdichtung entfaltet sich ein Parcours durch einen Ort, der selbst zum Protagonisten wird. Das Krankenhaus – temporär entleert – wird zum Erfahrungsraum für Gegenwart.